Methoden Stockkampfkunst
Ursprünge der Stockkampfkunst
Der Stockkampf (auch Eskrima, Kali oder Arnis genannt) stammt aus der philippinischen Tradition und hat sich über viele Jahrhunderte unter dem Einfluss verschiedener Kulturen entwickelt. Ursprünglich wurden die Schläge vor allem mit Kraft ausgeführt, doch durch Erfahrung im Kampf und intensive Studien wurde daraus ein ästhetischer, präziser und effektiver Kampfstil. Als die Spanier im 18. Jahrhundert diese Kampfkünste verboten, integrierten die Filipinos die Bewegungen in ihre traditionellen Tänze, um ihre Kultur zu bewahren. Heute gibt es weltweit zahlreiche Schulen mit verschiedenen Kampfstilen, die unterschiedliche Techniken und Waffen verwenden.
Stockkampfkunst in der pädagogischen und therapeutischen Landschaft

Ob in Schulen zur Gewaltprävention und Entwicklung einer Konfliktkultur oder im klinischen Kontext zur Förderung der Selbstregulation und Selbstwirksamkeit – Stockkampfkunst gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dabei grenzt sich die Kampfkunst deutlich vom Kampfsport ab.
Während beim Kampfsport vor allem Leistung, Erfolg und Ergebnisse im Vordergrund stehen, geht es bei der Kampfkunst vor allem um inneres Wachstum und die persönliche Entwicklung durch Selbsterforschung und Erfahrung. Die Kampfkunst basiert auf einer ganzheitlichen Sichtweise des Menschen, bei der Technik als Verbindung von Geist und Körper verstanden wird. Gleichzeitig vermittelt sie Werte wie Respekt, Wertschätzung, Mut, Güte, Aufrichtigkeit, Selbstbeherrschung und Hilfsbereitschaft.
Vielfältige Elemente in der Bewegungsstunde

In der Zusammenarbeit nutzen wir traditionelle Sinawali-Schlagfolgen. Die Schlagkombinationen werden mit schnellen und wirbelnden Bewegungen mit wechselnden Partnern trainiert. Dazu kommen Musik und unterschiedliche Schrittfolgen. Um den Umgang mit dem Stock zu trainieren, üben wir das Werfen, Jonglieren und Balancieren. Außerdem erzeugen wir eigene Rhythmen, bei denen wir Stöcke, Boden und Füße benutzen, um verschiedene Töne zu erzeugen. Wir verwenden 65 cm lange Stöcke aus ungeschältem Rattan. Dieses Material kommt von einer Palme und ist durch seine Struktur hart, biegsam und sehr robust.
Stockkampfkunst und AD(H)S
Die Partnerarbeit mit Schlag- und Abwehrübungen hilft, körperliche und soziale Fähigkeiten zu trainieren: Grenzen spüren, setzen und einhalten, Verantwortung übernehmen, Nähe und Abstand regulieren sowie Vertrauen aufbauen. Gleichzeitig lernen wir den Umgang mit Raum, Zeit und Kraft. Koordination, Feinmotorik, Balance und Bewegungskontrolle werden durch verschiedene Übungen gefördert. Natürlicher Bewegungsdrang findet hier einen sicheren Raum, um sich auszudrücken und abzubauen.
Kampfkunst lehrt Selbstbeherrschung – also bewusstes Verhalten auf körperlicher, sozialer und geistiger Ebene. Bei der Arbeit mit den Stöcken kann das Innehalten geübt werden, um automatische Reaktionen zu stoppen und bewusst Raum für eigene Gedanken, Gefühle und Handlungen zu schaffen.
Bei den Partnerübungen wird jeder Schlag geblockt, sodass niemand verletzt wird. Trotzdem zielen alle Schläge genau auf den Körper und werden mit Intention, Genauigkeit und Geschwindigkeit ausgeführt. Das fördert Klarheit in Körper und Geist. Die ungewohnten Bewegungen, der Umgang mit dem Stock und der regelmäßige Partnerwechsel erfordern Konzentration, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit – sich selbst und anderen gegenüber. Der Stock kann außerdem das Selbstbewusstsein und die Fähigkeit zur Abgrenzung stärken. Neue Fähigkeiten zu erlernen und einen konstruktiven Umgang mit Fehlern zu finden, fördert das Selbstwertgefühl.
Diese Aspekte haben mich motiviert, speziell für Kinder und Jugendliche mit AD(H)S ein Bewegungsangebot aufzubauen.
Pilotstudie: Stockkampfkunst mit verhaltensoriginellen Jugendlichen
Quellenverzeichnis:
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